Das neue Kakaobarometer ist erschienen!

Das neue Kakaobarometer 2018 kann auf der Homepage des Südwind-Instituts jetzt auch in deutscher Sprache abgerufen werden. Die Entwicklung auf dem Kakaosektor ist für Ghana als ein Hauptproduzent von entscheidender Bedeutung, ebenso die Bemühungen, gerade auch den Produzenten existenzsichernde Einkommen und Löhne zu gewährleisten.

Dazu aus einer aktuellen Pressemitteilung des Südwind-Instituts:

Die Bäuerinnen und Bauern, die Kakao anbauen, stehen vor großen Herausforderungen. Ende September 2016 brachen binnen weniger Monate die Kakaopreise um mehr als 30 % auf zeitweise unter 2.000 US-Dollar je Tonne ein. Selbst nach einer leichten Preiserholung in den vergangenen beiden Monaten liegt der Kakaopreis mit rund 2.500 US-Dollar je Tonne deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre vor dem Preisverfall.

Insbesondere in Ghana und in der Côte d‘Ivoire, wo die Einkommen von Millionen Menschen vom Kakaoanbau abhängen, hatte dies gravierende Auswirkungen. Zwar versuchen nationale Kakaobehörden in beiden Ländern über Vorabverkäufe einen staatlichen Mindestpreis zu garantieren, doch aufgrund des Preisverfalls musste die Kakaobehörde der Côte d‘Ivoire diesen Mindestpreis Ende März 2017 um 36 % senken. Ghanas Regierung subventioniert derzeit den Kakaopreis, um den Bäuerinnen und Bauern zumindest den gleichen Betrag wie in den Vorjahren auszahlen zu können.

Ursache des Preisverfalls war eine sehr gute Ernte. Die starke Steigerung der Erntemenge lässt sich nicht nur darauf zurückführen, dass die Wetterbedingungen gut waren. Eine wichtige Rolle hat insbesondere in der Côte d‘Ivoire auch die Ausweitung der Ernteflächen gespielt. „Ein großer Teil der neu angelegten Plantagen befinden sich jedoch auf Flächen, die eigentlich geschützt sind“, so Friedel Hütz-Adams, Kakaoexperte bei SÜDWIND und Mitautor des Kakaobarometers. „Ohne diesen eigentlich illegalen Anbau hätte es wahrscheinlich den Überschuss und den Preisverfall nicht gegeben.“

Die sozialen Folgen des Preisverfalls für viele Menschen in Westafrika sind verheerend. Derzeit laufen in Ghana und in der Côte d‘Ivoire Erhebungen über die Lebenshaltungskosten der Menschen, die Kakao anbauen. Ziel des Projekts, an dem SÜDWIND ebenfalls beteiligt war, ist die Kalkulation existenzsichernder Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern.

Lesenswert: „Ghana: weit weg, ganz nah“

Der Westdeutsche Förderkreis von Oikocredit hat als Schwerpunktthema für die aktuelle Ausgabe 01/2018 Ghana ausgewählt: Fairer Anbau von Kakao, Jugendarbeitslosigkeit, Möglichkeiten der Kooperation zwischen Ghana und Deutschland in der entwicklungspolitischen Arbeit – dies sind einige
Schlaglichter aus dem Heft. Wer sich gerne und schnell mal wieder in
„ghanaische Themen“ vertiefen möchte, der sollte das Magazin einmal in die Hand nehmen oder online blättern.

Siehe Magazin Frühjahr 2018 auf der Seite Publikationen.

Südwind-Studie zum Thema Migration

Südwind hat Anfang November eine neue Studie zum Thema Migration veröffentlicht, die als ein Beispiel die Binnenmigration in Ghana aufgreift.

Aus der Pressemitteilung:

„Seit dem Jahr 2015 ist in der öffentlichen Wahrnehmung der Eindruck entstanden, dass alle MigrantInnen und Geflohenen weltweit nach Europa kommen wollten. Doch dieser Eindruck täuscht. Der größte Teil der weltweiten Migrationsbewegungen findet auf regionaler Ebene und häufig sogar innerhalb bestehender Grenzen statt. Dies zeigt die neue Studie von SÜDWIND, in der Migrationsbewegungen in der Demokratischen Republik Kongo und Ghana analysiert werden
.

Ganz anders die Migrationsbewegungen in Ghana. Dort gingen und gehen Menschen aus dem trockenen, ärmeren Norden in die südlichen Gebiete, um dort Arbeit zu suchen. Eine treibende Kraft dabei war und ist dabei die Ausweitung des Anbaus von Kakao. Die Bedingungen haben sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten aber verschlechtert, da der Kakaopreis deutlich gefallen ist. Eine Migration in den Kakaosektor ist somit nicht mehr so attraktiv wie früher.
Die Analyse der Migrationsbewegungen zweier Länder zeigt schon die vielfältigen Facetten hinter dem Begriff »Migration«. Friedel Hütz Adams verweist darauf, dass auch die Ansatzpunkte zur Verbesserung der Situation von MigrantInnen dementsprechend unterschiedlich sind: „In der Demokratischen Republik Kongo ist internationaler Druck zur Gewährleistung von Reformen und freien Wahlen nötig. Darüber hinaus benötigt das Land dringend Unterstützung bei der Versorgung der Flüchtlinge. Für viele MigrantInnen in Ghana gegen hat der Preis von Kakao einen großen Einfluss darauf, ob sie existenzsichernde Einkommen erzielen.“

Die Studie kann kostenlos auf der Homepage von Südwind heruntergeladen werden oder über diesen Link aufgerufen werden.

Download Studie

Was wird neu durch den neuen Präsidenten?

Im Dezember ist Nana Addo Dankwa Akufo-Addo zum neuen Staatspräsident von Ghana gewählt worden. Im Juni war er zu Gast in Deutschland und hat einen Vortrag bei der Konrad-Adenauer-Stiftung gehalten. Die offizielle Zusammenfassung der Rede kann unter http://www.kas.de/wf/de/33.49214 oder im beigefügten pdf-Dokument nachgelesen werden (Ghana – a rising star in Africa). Unter dem angegebenen Link ist die Rede auch im Original zu hören.

Julia Eibach, Mitglied des CRAN-Freundeskreises, hat die Rede einmal aus CRAN-Sicht gehört. Kann es Auswirkungen auf unsere Arbeit geben?

Den Deutschlandbesuch des neuen ghanaischen Präsidenten Nana Addo Dankwa Akufo-Addo im Rahmen der G20-Afrika-Konferenz und seine Rede in der Konrad-Adenauer-Stiftung möchte ich zum Anlass nehmen, um einen Blick darauf zu werfen, welche Veränderungen der neue Präsident und seine Regierung im Land angestoßen haben. Akufo-Addo ist seit Januar diesen Jahres im Amt und plant in seiner Amtszeit umfassende Reformen, um ein Ghana „beyond aid“ zu schaffen, also ein Ghana, das sich vermehrt selbstständig und unabhängig von internationalen Hilfen entwickelt.

Für die derzeitige Arbeit von CRAN sind dabei vor allem vor allem seine Aussagen zum Bildungssystem und dem Landwirtschaftssektor von Bedeutung.

Der Besuch von öffentlichen Grundschulen (primary schools) und Teilen der weiterführenden Schulen (Junior High School) ist ja bereits seit einigen Jahren kostenfrei (zumindest, was das Schulgeld betrifft), nun soll ab dem kommenden Schuljahr 2017/2018 auch die Senior High School (entspricht in etwa der gymnasialen Oberstufe) hinzukommen. Der Besuch einer SHS ist nicht mehr Teil der allgemeinen Schulpflicht und verursacht erheblich höhere Kosten als die vorhergehenden Schulformen.
Im Rahmen des „Free Senior High School (FSHS)“- Programms sollen nun sogar nicht nur die Schulkosten übernommen werden, sondern auch andere Kostenfaktoren wie Internatsunterbringung, Bücher oder Anmeldegebühren für Prüfungen. Inwieweit alle diese Ankündigungen tatsächlich flächendeckend umgesetzt werden können, bleibt fraglich. Die Kostenbefreiung gilt für alle Schülerinnen und Schüler, die im September neu mit der SHS beginnen, nicht aber für diejenigen, die bereits in höheren Klassen eingeschult sind.
Als Freundeskreis sollten wir die tatsächliche Entwicklung vor Ort mit den Auswirkungen auf CESS also genau beobachten.
Außerdem soll parallel zur SHS ein Ausbildungssystem an Berufsschulen für technische, landwirtschaftliche und handwerkliche Berufe aufgebaut und gefördert werden, um die Qualität dieser Bereiche zu verbessern und zu standardisieren. Auch diese Ausbildungen an Berufsschulen sollen unter dem FSHS Plan kostenfrei werden.

Die neue Regierung hat neben den notwendigen Veränderungen im politischen System, gerade was die Bekämpfung von Korruption angeht, und Investitionen in Infrastruktur die schwierige wirtschaftliche Lage erkannt. Schwerpunkt soll dabei neben der Absicht private Firmen und Investitionen ins Land zu holen und somit den industriellen Sektor zu stärken, auch eine bessere Unterstützung der Landwirtschaft sein. Noch immer können die lokalen Produkte preislich nicht mit der Importware konkurrieren. Das gilt sowohl für industriell verarbeitete Produkte, die auch aus Übersee importiert werden, als auch für frische Produkte, die häufig aus den direkten Nachbarstaaten stammen.
Der Präsident hat daher angekündigt, im Rahmen des Programms „Planting for food and jobs“, mehr staatliche Hilfen für die Landwirtschaft bereitzustellen, zusätzlich beteiligt sich Kanada mit umgerechnet ungefähr 84 Millionen Euro an der Finanzierung. So sollen mehr Beamte die Farmer konkret unterstützen und fördern, es soll Düngemittel subventioniert werden und die Qualität der Samen und Setzlinge erhöht werden, um die Ernte an sich zu steigern. Außerdem soll die Verarbeitung von Lebensmitteln ausgeweitet werden, um den Verlust von Ernteerträgen möglichst gering zu halten und neue Jobs im Agrarsektor zu schaffen.
Dieses Vorhaben ist durchaus zu begrüßen. Bei Projekten wie CARI (Competitive African Rice Initiative), an denen CRAN Ghana mitwirkt, sowie der diesjährigen Anschaffung von Erntemaschinen ging es auch um diese Problemfelder.

Julia Eibach

 

http://www.kas.de/wf/de/33.49214/
http://presidency.gov.gh/index.php/2017/02/21/state-of-the-nation-address-by-the-president-nana-addo-dankwa-akufo-addo/
http://www.ghana.gov.gh/index.php/media-center/news/3436-free-shs-to-commence-september-2017-president-akufo-addo

Ghana: Ein Dorf versinkt im Meer

Auch Ghana ist eines der Länder, an denen man den Klimawandel schon deutlich wahrnehmen kann. Hier gibt es Dörfer an der Küste, die das Meer bereits verschlungen hat. Man findet Gebäude, die zur Hälfte im Sand begraben sind. Die Menschen ziehen sich immer mehr ins Inland zurück. Doch für Fischer ist das ein großes Problem: Sie können nicht einfach abwandern, denn sie haben keinen anderen Erwerb als den Fischfang. Zusätzlich sind die Fischgründe vor Ghanas Küsten schon leegefischt oder durch die Umweltbelastung stark reduziert.

Das Dorf Totope ist schon zur Hälfte im Sand versunken. Die Bewohner hoffen auf die Unterstützung der ghanaischen Regierung, doch die unternimmt nichts. Die Menschen dort haben es immer schwerer, über die Runden zu kommen. Die meisten Familien leben vom Fischfang. Doch mit jedem Monat nimmt sich das Meer mehr von dem Ort.

Hinzu kommt, dass große Tanker vor der Küste ihren Müll im Meer abladen. Die Küste bei Totope ist übersät von Plastikmüll, der Sand infiltriert mit allerlei giftigen Substanzen. An manchen Stellen der Küste hat sich eine übel riechende dunkle Kloake gebildet, darin tummeln sich Krankheitserreger. Viele Kinder erkranken. Die Fischer von Totope sind wütend auf die Regierung, die die illegale Müll-Verklappung nicht stoppt. Wer an den Klimawandel nicht glaubt, sollte dem Dorf Totope einen Besuch abstatten.

Das Video ist zu finden:
http://www.ardmediathek.de/tv/Weltbilder/Ghana-Ein-Dorf-versinkt-im-Meer/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=3906326&documentId=42883980

Trotz Zuwachs bei zertifizierter Schokolade: Kakaobäuerinnen und -bauern leben weiter in extremer Armut

Bonn, 24. Juni 2015: Der weltweite Marktanteil von zertifizierter Schokolade ist von zwei Prozent im Jahr 2009 auf fast 16 Prozent 2013 gestiegen. Das zeigt das neue Kakao-Barometer, dessen deutsche Fassung das SÜDWIND Institut und INKOTA heute veröffentlichen. Die Daten belegen aber auch, dass trotz zahlreicher Nachhaltigkeitsinitiativen und Selbstverpflichtungserklärungen von Schokoladenunternehmen wie Ferrero oder Mars das Pro-Kopf-Einkommen der meisten Kakaobauernfamilien immer noch weit unter der Armutsgrenze liegt. Die Kampagne Make Chocolate Fair! fordert deshalb ein existenzsicherndes Einkommen für Kakaobäuerinnen und -bauern.

„Es ist erfreulich, dass sich die Schokoladenindustrie bewegt und dass sich in den Supermärkten immer mehr Schokoladenprodukte mit den Siegeln von Fairtrade, Utz Certified und Rainforest Alliance finden lassen“, erklärt Evelyn Bahn, Koordinatorin der Kampagne Make Chocolate Fair! bei INKOTA. „Das ist ein erster wichtiger Schritt hin zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen für Kakaobäuerinnen und -bauern und zur Einhaltung der Menschenrechte. Zertifizierung ist aber kein Wundermittel, wenn es darum geht, die Mehrheit der Kakaobäuerinnen und -bauern aus der Armut zu befreien.“

„Eine Kakaobauernfamilie in der Elfenbeinküste verdient derzeit pro Kopf rund 0,50 US-Dollar am Tag. Um zumindest die international definierte Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag zu erreichen, müsste sich ihr Pro-Kopf-Einkommen also vervierfachen“, erklärt Friedel Hütz-Adams, Co-Autor des Kakao-Barometers vom Südwind Institut.
Die niedrigen Einkommen führen zu inakzeptablen Arbeitsbedingungen bis hin zu Menschenrechtsverletzungen wie ausbeuterischer Kinderarbeit. Daran ändern auch viele der Nachhaltigkeitsinitiativen der Schokoladenindustrie nichts, die sich oft einseitig auf die Steigerung der Produktivität konzentrieren. „Neben der Steigerung der Ernteerträge, muss dringend in die Infrastruktur in den Kakaoanbauländern investiert werden“, so Hütz-Adams weiter. „Der Anbau muss diversifiziert werden, es muss Weiterbildungen geben und der Kakaopreis, den die Bäuerinnen und Bauern erhalten, muss erhöht werden.“
Auch die Kampagne Make Chocolate Fair! fordert ein existenzsicherndes Einkommen für Kakaobäuerinnen und -bauern. Mehr als 100.000 Menschen aus ganz Europa haben die Petition der Kampagne bereits unterzeichnet und sich für faire Bedingungen im Kakaoanbau ausgesprochen. „Die Nachfrage nach fair produzierter Schokolade steigt. Darauf muss die Schokoladenindustrie reagieren. Denn trotz des gestiegenen Anteils an zertifizierter Schokolade, sind noch immer über 80 Prozent aller weltweit verkauften Schokoladentafeln nicht zertifiziert. Das muss sich ändern“, sagt Evelyn Bahn. Absichtserklärungen wie von Ferrero oder Mars, die bis 2020 ihre Schokolade vollständig aus zertifiziertem Kakao herstellen wollen, seien begrüßenswert. „Wir werden aber genau beobachten, ob die Schokoladenunternehmen ihre Versprechen einhalten“, kündigt Bahn an.

AnsprechpartnerInnen:
Evelyn Bahn, Koordinatorin der europäischen Kampagne Make Chocolate Fair!, Tel.: +49 (0)177-32 43 408, E-Mail: bahn@inkota.de

Friedel Hütz-Adams, Südwind Institut, Tel.: 0228-763698-15, E-Mail: huetz-adams@suedwind-institut.de

Das Kakao-Barometer ist eine alle zwei Jahre erscheinende Sektor-Übersicht über Nachhaltigkeitsinitiativen im Kakaosektor. Es wird von einem europäischen NGO-Gewerkschaften-Konsortium publiziert. Diesem gehören folgende Organisationen an: FNV Mondiaal (NL), Hivos (NL), Solidaridad (NL) und das VOICE Netzwerk – Erklärung von Bern (CH), FNV (NL), Oxfam Novib (NL), Oxfam Wereldwinkels (BE), Stop the Traffik (UK), ABVV – FGTB HORVAL (BE) und das Südwind-Institut. Das Kakao-Barometer wurde von INKOTA und der Südwind Agentur ins Deutsche übersetzt.

Make Chocolate Fair! ist eine europäische Kampagne von zivilgesellschaftlichen Organisationen aus 16 europäischen Ländern. Die Kampagne wird international von einer wachsenden Zahl von Menschen und Initiativen aus Europa, Afrika und Lateinamerika getragen. INKOTA ist eine von vier Hauptträgerorganisationen und übernimmt die Koordination der Kampagne in Deutschland. Bis Dezember 2015 sollen im Rahmen der Kampagne mindestens 100.000 Unterschriften für die Petition an die Schokoladenindustrie gesammelt werden. Die Kampagne wird unterstützt durch die Europäische Union, Stiftung Nord-Süd-Brücken, die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Berliner Senats und Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst. Der Inhalt der Pressemitteilung liegt in der alleinigen Verantwortung von INKOTA und gibt nicht die Meinung der Förderer wieder.

Die deutsche Ausgabe des Kakao-Barometers steht hier zum Download bereit.

Sandra Grigentin-Krämer

Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising / Public Relations and Fundraising
SÜDWIND e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene

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Neue SÜDWIND-Studie erschienen

„Vom Kakaobaum bis zum Konsumenten. Die Wertschöpfungskette von Schokolade“

Siegburg, 14.05.2012: SÜDWIND analysiert in einer heute veröffentlichten Studie die Wertschöpfungskette von Schokolade. Viele Kakaobauern leben unter der Armutsgrenze und Kinderarbeit ist weit verbreitet. Zugleich bildet der Preis für Kakao nur einen kleinen Teil der Kosten für die Produktion von Schokolade. Daher fordert SÜDWIND die deutschen Kakao- und Schokoladenproduzenten auf, mehr in transparente Beschaffungsketten zu investieren und sicherzustellen, dass der Rohkakaopreis den Bauern ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.

In den vergangenen Jahrzehnten ist der reale Preis von Kakao gesunken. Im gleichen Zeitraum ist in Deutschland gemessen an der Kaufkraft Schokolade immer billiger geworden und die konsumierte Menge stieg massiv an. „Getrübt wird die Freude über die preiswerte Schokolade durch Berichte über schlechte Lebensbedingungen der Menschen, die Kakao anbauen. Vor allem in den westafrikanischen Kakaoanbaugebieten ist die Lebenssituation des größten Teils der Kakaoanbauer sehr schlecht. Von dort stammen mehr als 90 % des in Deutschland konsumierten Kakaos“, so Friedel Hütz-Adams, Kakaoexperte des SÜDWIND-Instituts.

Um herauszufinden, wer im Kakaosektor Verantwortung für Missstände übernehmen muss, wird in der Studie die Wertschöpfungskette der Schokolade erläutert. Die Analyse zeigt, dass in den verschiedenen Produktionsstufen der Schokolade unterschiedliche Instanzen den Markt dominieren. Beim Anbau sind dies rund 5,5 Mio. nicht organisierte Kleinbauern, in den weiteren Verarbeitungs-stufen jeweils eine Hand voll multinationaler Unternehmen.

„Die Analyse belegt, dass eine Verbesserung der Situation in den Kakaogebieten nur zu sehr geringen Preiserhöhungen in der Produktionskette führen würde. Eine durchschnittliche Tafel Vollmilchschokolade enthält lediglich Kakao im Wert von rund sechs Cent und bei den derzeitigen Zertifizierungsansätzen liegt der Aufpreis für Schokolade aus nachhaltiger Produktion derzeit bei rund einem Cent pro Tafel“, so Hütz-Adams weiter.

Letztendlich werden alle Beteiligten der Wertschöpfungskette und die Regierungen der Anbauländer zusammenarbeiten müssen, um die Situation der Bauern zu verbessern. Hütz-Adams sieht die deutsche Branche in der Pflicht: „Aufgrund ihrer Machtpositionen kommt den Unternehmen in den Verbraucherländern eine große Verantwortung zu. Dies gilt insbesondere für die in Deutschland operierenden Anbieter, die den weltweit zweitgrößten Schokoladen-markt versorgen und zudem große Mengen ihrer Erzeugnisse exportieren.“

Die Studie steht auf www.suedwind-institut.de zum Download bereit oder kann bei SÜDWIND zum Preis von 5 Euro bestellt werden: info@suedwind-institut.de

Bettina Jahn

Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising /
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SÜDWIND e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene
Lindenstr. 58-60
53721 Siegburg
Tel.: +49 (0)2241 – 259 549
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Wort halten

Die Schuldenkrise ist überall: Sie betrifft Länder im Süden wie im Norden. Reiche wie arme Staaten sind von Überschuldung bedroht, manche bereits zahlungsunfähig. Die Menschen in hochverschuldeten Ländern leiden an den Folgen einer Krise, die sie nicht verursacht haben. In den Entwicklungsländern gefährdet die Verschuldung sogar ihre Existenz.

Politiker – selbst diejenigen, die vor einiger Zeit noch anderer Meinung waren – haben in den letzten Monaten
im Zuge der sich ausweitenden Schuldenkrise vielfach auf die Notwendigkeit eines internationalen Insolvenzverfahrens für Staaten hingewiesen. erlassjahr.de fordert zusammen mit vielen Organisationen und Experten aus aller Welt ein international gültiges, faires und transparentes Verfahren für den Fall einer Staatspleite. Auch die Gläubiger sollten – ähnlich wie bei einer Firmen- oder Privatinsolvenz – ihren Teil der Verantwortung tragen, denn der Handel mit Staatsanleihen hat wie jeder andere Handel auch sein Risiko. Und die Bürger in den Schuldnerländern sollen in ihren Grundrechten auf Ernährung, Bildung, gesundheitliche Versorgung und soziale Mindeststandards geschützt werden – so wie auch die Grundrechte von Einzelpersonen im Falle einer Privatinsolvenz geschützt sind. Die Steuerzahler sollen nicht für das riskante Investitionsverhalten von Banken und Spekulanten haften!

erlassjahr.de hat Zitate von prominenten Politiker/innen, Wissenschaftler/innen und weiteren Persönlichkeiten zum Thema Entschuldung und internationales Insolvenzverfahren gesammelt. Sie zeigen: Eigentlich stimmen die Forderungen der Politik und die der Zivilgesellschaft in sehr vielen Aspekten überein. Klar ist, dass sich Schuldenkrisen wiederholen – was fehlt, ist ein transparentes und berechenbares Verfahren, dass im Falle einer Staatspleite zügig greift und die Lasten fair verteilt. Und dem Staat und somit seinen Bürgern einen Neuanfang ermöglicht.

Damit es nicht nur bei schönen Worten bleibt, wenden wir uns an die Zitatgeber und erinnern sie an das Gesagte. Helfen Sie uns dabei! Schicken Sie unsere Postkarten an die Bundeskanzlerin Angela Merkel und an den Finanzminister Wolfgang Schäuble. Sie haben sich in dem aktuellen Koalitionsvertrag verpflichtet, sich für die Schaffung einer internationalen Insolvenzordnung stark zu machen und ihre Ansichten vielfach bestätigt. Jetzt müssen Taten folgen!

Gepfändet

Gepfändet? Keine gute Idee! Dem Schuldendienst müssen klare Regeln gesetzt werden!

erlassjahr.de und die internationale Kampagne „Defuse the Debt Crisis“ schreiben im Jahr 2011 Postkarten an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der den G20-Vorsitz inne hat. Wir fordern die Einführung von einem fairen Insolvenzverfahren für Staaten und wollen mit dem Motiv eines gepfändeten Eiffelturms auf das absurde Regelvakuum hinweisen, dass es im Moment bei Staatspleiten gibt. Denn in den armen Ländern sind der Bevölkerung nicht nur nationale Symbole gepfändet worden, sondern auch das tägliche Brot. Diese menschliche Tragödie darf sich in Zeiten von globalen Finanzkrisen nicht wiederholen!

Unter www.defusethedebtcrisis.org können Sie die virtuelle Karte unterschreiben – oder bestellen Sie die Postkarten in der gewünschter Menge für Ihre Veranstaltungen im erlassjahr.de – Büro!

Neue Studie erschienen: „Ghana: Vom bitteren Kakao zur süßen Schokolade. Der lange Weg von der Hand in den Mund“

Siegburg, 11.03.2011: SÜDWIND weist in einer heute in der Bonner Bundespressekonferenz vorgestellten Studie nach, dass es im Kakaoanbau in Ghana große Missstände gibt. Demnach leben viele Bauern unter der Armutsgrenze und Kinderarbeit ist weit verbreitet. Deutsche Kakaoverarbeiter, Schokoladenhersteller und der Einzelhandel tragen hierfür eine Mitverantwortung, zu der sich erst ein Teil der Unternehmen bekennt. SÜDWIND fordert ein gemeinsames Handeln der gesamten Branche, der deutschen Politik und der ghanaischen Regierung, um in Ghana und anderen Anbauländern endlich notwendige Verbesserungen durchzusetzen.

Ghana ist der zweitgrößte Produzent von Kakaobohnen und für die gute Qualität seiner Ernte bekannt. „Da bis zu einer Million Kleinbauern Kakao anbaut, haben die Entwicklungen auf dem Kakaomarkt eine große Bedeutung für die Bevölkerung Ghanas. Für die ghanaische Regierung ist der Kakaoexport zudem eine wichtige Quelle von Deviseneinnahmen und Steuern“, so der Autor der Studie Friedel Hütz-Adams. Doch die Kakaobauern litten in den vergangenen Jahrzehnten unter stark schwankenden Weltmarktpreisen, politischen Krisen und von Schädlingen dezimierten Ernten. Erst in den letzten Jahren ging es wieder aufwärts im Kakaosektor. Dennoch gibt es weiterhin große soziale Probleme in den Anbaugebieten.

Die ghanaische Regierung möchte die Situation der Bauern verbessern. Eine wichtige Rolle dabei spielt das COCOBOD, eine staatliche Einrichtung, die den gesamten heimischen Kakaomarkt kontrolliert. Diese Kontrolle beschränkt sich allerdings auf den heimischen Markt des Rohstoffes Kakao. Auf den Weltmarkt hat Ghana keinen Einfluss. „Daher kommt Unternehmen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen in den Importländern von Kakao, darunter Deutschland, eine Schlüsselrolle beim Versuch zu, Missstände in Ghanas Kakaosektor zu beenden, so Hütz-Adams weiter. „Ein Runder Tisch der gesamten Branche könnte ähnlich wie in den Niederlanden dazu führen, dass nicht nur einige wenige Vorreiter, sondern alle Unternehmen in Verbesserungen investieren.“

Doch auch die Bundesregierung muss seiner Ansicht nach aktiv werden: „Freiwillige Ansätze von Unternehmen müssen durch eine Gesetzgebung ergänzt werden, die Mindeststandards vorschreibt und einklagbar macht“.

Die Studie, die durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen finanziert wurde, steht auf www.suedwind-institut.de zum Download bereit oder kann bei SÜDWIND zum Preis von 5 Euro bestellt werden: info@suedwind-institut.de

Kontakt:

Friedel Hütz-Adams, Tel. 02241-259-735, E-Mail: huetz-adams@suedwind-institut.de